Seit der Computer Einzug in die Haushalte hielt, gab es das Problem der spiegelnden Bildschirme. Diese kleinen dicken Dinger, meist IBM Monitore, hatten eine gewölbte Glas-Oberfläche. Bedingt durch die Wölbung spiegelte sich im Bildschirm so ziemlich der gesamte Raum. Schien die Sonne, konnte man auf den Bildschirmen absolut nichts mehr erkennen.

Also dachten sich die Hersteller folgendes aus:

1987: NEU! Kontrastscheiben. Damit der Bildschirm nicht mehr spiegelt!

Ab 1987 wurden massenweise Kontrastscheiben für Monitore verkauft. Diese Kontrastscheiben waren entspiegelte Glasscheiben in einem Rahmen, den man vor den Monitor klemmte. Gleichzeitig sollte damit angeblich der Kontrast erhöht werden. Wodurch man angeblich die Schrift besser lesen konnte. – Aber das waren reine Marketinglügen. Tatsächlich dunkelte die Scheibe das Bild etwas ab, wodurch man die Helligkeit höher drehen musste. Am Ende war das Bild genauso gut/schlecht wie vorher. Allerdings spiegelte der Bildschirm nicht mehr. – Das war tatsächlich pure Entspannung für die Augen! – Irgendwann wurde die Entspiegelung direkt auf die Bildschirmröhre / den TFT aufgetragen. Damit konnte man endlich auf die Kontrastscheiben verzichten. Also verkündeten die Hersteller:

1990: NEU! Entspiegelte Monitore für ein gesünderes Sehen! Ihren Augen zuliebe.

Die Entspiegelung eines Monitors/TFT kostet den Hersteller pro Monitor übrigens im Schnitt etwa 1 DM. Diese Entspiegelung bezahlte der Kunde dann mit ca. 30-50 DM Aufpreis. Aber die Monitor/TFT Hersteller suchten verzweifelt weiter nach neuen Einnahmequellen, die sie auch Ende der 90er fanden. Freudig verkündeten sie:

1998: NEU! Spiegelnde Monitor/TFT Oberflächen für mehr Kontrast und für mehr realistische Farben!

Was für ein Schwachsinn! Welcher Vollidiot hat sich diese Lüge ausgedacht? Der Kontrast verbesserte sich nicht. Der Hintergrund war nur dunkler, was aber bei Hintergrundbeleuchteten TFTs sowieso völlig nutzlos ist. Und als Lohn für diese Marketinglüge verlangten die Hersteller vom Kunden ab sofort 30-50 Euro Aufpreis pro TFT/Monitor (Monitore gab es da schon immer weniger). Und sozusagen als Dankeschön obendrauf, war es ab sofdort unmöglich mit solchen spiegelnden Laptops im Freien zu sitzen und zu daddeln. Aber es kam noch schlimmer! Ab sofort wurde KEIN Gerät mehr entspiegelt. TFT/LCD Fernseher, Monitore, Smartphones, Handys, MP3-Player, usw. Bei jedem Gerät sparten die Hersteller die Kosten für die Entspiegelung und verlangten dafür vom Kunden eine satte Preiserhöhung. Das trieb dann die Folienhersteller auf den Plan, die mit den TFT Herstellern übrigens gemeinsame Sache machen:

2001: NEU! Entspiegelungsfolie für Ihren TFT, für entspanntes Sehen auch im Freien! Ihren Augen zuliebe.

So eine Folie kostet je nach Bildschirmgröße zwischen 5 und 50 Euro. Plus Versand. Und die Kunden? Die meisten haben das gefressen, tanzen nach der Nase der Hersteller und löhnen dafür doppelten Aufpreis. Und die anderen, die nach den entspiegelten TFTs Ausschau halten? Die zahlen den vierfachen Aufpreis, denn entspiegelte Geräte sind selten.

Mit der Zeit waren die Verkäufer immer mehr genervt von massenweisen Kundenbeschwerden über spiegelnde Bildschirmoberflächen. Etwa ab 2005 gab es dann aufeinmal wieder mehr TFT Geräte mit Entspiegelung. Die Lage hat sich jedoch noch nicht entspannt. Weiterhin werden Fernseher fast nur noch ohne Entspiegelung hergestellt. Hast Du schonmal versucht eine Entspiegelungsfolie für einen 42″ oder gar 50″ Fernseher zu bekommen? Das ist zwecklos. Denn diese Folien gibt es nicht in dieser Größe. Also bleibt uns weiterhin nur noch eines: Vorhänge und Jalousien zuziehen wenn man Fernsehen will. Es lebe das Leben Fernsehen in der Dunkelkammer!

30. April 2012, 20:22 Uhr

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