40 Jahre Atari

Hier kommt die ultimative Story über Atari. Inklusive Original-Bildern und Fotos der Gebäude von heute. Ein kompletter Rundgang vorbei an den ehemals heiligen Hallen von Atari.

Vor 40 Jahren, am 27.061972, wurde Atari von Nolan Bushnell und Ted Dabney gegründet. Atari ist wie kein anderes Unternehmen für rasanten Siegeszug der (Computer-)Spiele Industrie verantwortlich. Atari begeisterte die Menschen, entwickelte Spiele und Hardware und später gründeten einige Atari Mitarbeiter legendäre eigene Firmen wie Apple und Amiga. Ja, Steve Jobs war zuerst bei Atari beschäftigt und Amiga wurde von Atari Mitarbeitern gegründet…

Während andere Webseiten sich zum 40. Geburtstag mit den üblichen Themen rund um Atari beschäftigen, bekommst Du hier den Einblick in weit mehr Details und vor allem: Originale Bilder und wie die früheren Standorte heute aussehen.

Zurück in die Vergangenheit

Es gibt leider nur wenige Bilder der Gebäude, die von Atari einmal mit Leben erfüllt wurden. Noch viel weniger gibt es Berichte über Ataris eigentlichen Geburtsort. Und am wenigsten gibt es ausführliche Berichte die uns eben jene Gebäude näher bringen könnten. Das liegt sicher nicht an mangelndem Interesse, sondern eher an der Entfernung, die die meisten von uns zurücklegen müssten um eben jene „heiligen Hallen von Atari“ zu sehen. Von Europa aus sind es etwa 12 Stunden Flugzeit. Innerhalb der USA wären es z.B. von New York nach Sunnyvale immer noch etwa 3 Stunden Flugzeit oder aber eine 2 Tage Reise mit dem PKW. Zu weit und zu teuer, nur um ein paar Bilder zu schießen. Die beste Kombination ist es also, den Trip durch die Vergangenheit in den Urlaub zu verlegen. Das habe ich getan und vielleicht kann ich mit diesem Bericht eine Lücke schließen.

Nun stellt sich aber zuerst die Frage: Welche Gebäude sind die wahren Zeitzeugen? Oder besser: Aus welcher Zeit? Jeder hat da ein anderes Empfinden. Und es gibt sicher so viele Meinungen, wie die Anzahl an unterschiedlichen Atari Produkten. Dennoch ist der Anfang der Geschichte schnell gemacht. Wo jedoch der gefühlte Beginn von Atari liegt, kann jeder für sich entscheiden.

Personen und Waren wurden schon in vielen anderen Berichten vorgestellt und können dort nachgelesen werden. In diesem Artikel betrachte ich die einzelnen Gebäude und beleuchte die Geschichte die dazu gehört. Historische Fakten spielen in diesem Bericht zwar eine Rolle, aber ich lege hier mehr Gewicht auf das, was sich hinter den Mauern abspielte. Gleichzeitig gehe ich etwas auf existierende Geschichten ein und versuche sie zu bestätigen oder zu widerlegen. Zum Teil mit verblüffendem Ergebnis. Leider war es äußerst schwierig, Bilder zu bekommen, die in den Gebäuden während der Herstellung aufgenommen wurden. Interessanterweise gibt es die meisten Bilder aus der Zeit vor Warner. Aber dafür konnte ich einiges anderes ausfindig machen…

Atari hatte seine Anfänge in Kalifornien

Atari hatte seine Anfänge in Kalifornien

Kalifornien grenzt an Mexico an

Kalifornien grenzt an Mexico an

Santa Clara und Sunnyvale liegen in der Bucht von San Francisco.

Santa Clara und Sunnyvale liegen in der Bucht von San Francisco.

Standorte von Atari in chronologischer Reihenfolge

Standorte von Atari in chronologischer Reihenfolge

Den ersten Firmensitz hatte Atari von 1972 – 1973 am Scott Boulevard in Santa Clara, neben Sunnyvale (1). Das Gebäude wurde jedoch sehr schnell zu klein, so dass Atari, mit seinen inzwischen über 40 Mitarbeitern, in die Gebäude am Winchester Boulevard (2) zog. Unter anderem wurde hier eine ehemalige Rollschuhbahn als Werkstatt genutzt um genügend Platz für den Zusammenbau zu haben.

Mit dem Verkauf an Warner zog Atari mit seinen mittlerweile fast 1000 Angestellten nach nur drei Jahren nach Sunnyvale in die Borregas Avenue um. (3) Sunnyvale ist auch als „Silicon Valley“ bekannt, weil hier fast alle bekannten IT Größen vertreten waren die Chips/Silizium und Kunststoffe verarbeiteten.

Nach einem Bericht auf Atari-history.com gab es angeblich über 50 Gebäude in denen Atari in Sunnyvale ansässig war. Davon konnte ich etwa 35 namentlich ausfindig machen. Was fehlt, sind die hinzu gekauften Firmen mit Ihren Bürogebäuden und Lagerhallen. Aber das allein wäre schon eine eigene Reise nach Kalifornien wert.

Die Jahre 1972 bis 1973

2962 Scott Boulevard, Santa Clara, Kalifornien

Der 27.06.1972 war der Tag an dem Nolan Bushnell Atari als Firma eintragen ließ. Als Firmensitz gab er den Scott Boulevard 2962 in Santa Clara an. Dieses Gebäude ist also das erste, in dem Atari zu erreichen war. Da nur wenig Geld zur Verfügung stand, musste man hiermit Vorlieb nehmen, denn dies war keine gute Gegend. Aber Bushnell und Dabney ließen sich davon nicht beeinflussen.

Die Firma Bally Inc. gehörte zu den ersten Auftraggebern von Atari. Für sie sollte Atari die Münzspielgeräte technisch verbessern. Aber das wichtigste ist: Hier entwickelten Sie das erste Pong, das im November 1972 fertig gestellt wurde.

Alleine war dies natürlich nicht möglich. Sie brauchten Angestellte. Eine der ersten war Bushnells Ex-Babysitterin Cynthia Villanueva, die als Sekretärin angestellt wurde. Sie blieb insgesamt über 10 Jahre bei Atari. Als das Geschäft begann, wurde sie von Bushnell angewiesen, vor der Weitergabe des Hörers eine Zahl am Telefon zu wählen, um mit dem entstehenden Rattern eine Telefonanlage und somit eine größere Firma vorzutäuschen. Vielleicht half dieser Trick. Auf jeden Fall verbesserte sich die Auftragslage im kommenden Jahr dramatisch. Als erster Angestellter kam Al Alcorn zu Atari, der Ampex abgeworben worden war und später bei Atari das Pong nach Bushnells Vorstellung entwickelte. Das zweite Spiel das er baute war übrigens Space Race, ein Vorläufer von Frogger.

Hier in der Nähe, genauer in Sunnyvale, befand sich auch Andy Capp’s Bar, in der der erste Pong Automat stand.

In Andy Capps Tavern stand der erste Atari Spielautomat: PONG

In Andy Capps Tavern stand 1972 der erste Atari Spielautomat: PONG

Die ersten Geschäftsräume, die Atari hatte, waren 100 Quadratmeter groß. Es gab eine Rezeption, zwei Büros und eine Produktionsfläche. Die Einzelteile kamen von anderen Firmen. Sie wurden zusammengesteckt, geprüft und ausgeliefert. Angefangen hat es mit vier Angestellten, dann wurden es sieben, dann zehn, bis es in dem Raum einfach zu eng wurde. In der Halle war es immer unglaublich laut, weil den ganzen Tag Rockmusik gehört wurde. Das war die Hippie-Zeit, und die meisten Angestellten waren junge Leute mit langen Haaren. Jedenfalls wurde so viel Krach gemacht, dass die Firma nebenan auszog. Kurzerhand wurde ein Loch in die Wand gehauen. So wurden aus 100 dann 200 Quadratmeter Arbeitsfläche. (dies wurde in einem Interview von Bushnell so wiedergegeben) Irgendwann wurde auch das zu klein.

Bushnell bei der Arbeit an einem Spielautomaten

Bushnell bei der Arbeit an einem Spielautomaten

Weil Atari zu diesem Zeitpunkt noch nicht viel Geld hatte, brauchten sie wieder etwas Billiges. Schließlich wurde eine alte, leerstehende Rollerskating-Bahn entdeckt, in die sie einzogen. In dieser Rollerskating-Bahn sind die meisten der frühen Spiele entstanden.

Übrigens war die Firma Amiga Inc. ebenfalls am Scott Boulevard ansässig. (Nr. 3350) Dazu ein Literatur-Tipp: Ein paar Jahre später bot Amiga im ANTIC Magazin VOL. 2, NO. 9 / Dezember 1983 / Seite 119 eine interessante Erweiterung für das VCS an. Die Auflösung um was es sich dabei handelt, findet sich am Ende dieser Story.

Al Alcorn 1972

Al Alcorn 1972

Die Jahre 1973 bis 1976

Winchester Boulevard, Santa Clara, Kalifornien – Rollerskating Bahn

Al Alcorn vor der Star Rollschuhbahn am Winchester Boulevard

Al Alcorn vor der Star Rollschuhbahn am Winchester Boulevard

Nach nur einem Jahr war die Auftragslage derart gut, dass die Gebäude am Scott Boulevard nicht mehr ausreichten. Atari musste deshalb in die größeren Räume am Winchester Boulevard umziehen. Atari hatte hier bereits über 100 Angestellte und machte einen Umsatz von über 3 Millionen US Dollar. Bushnells Teilhaber Ted Dabney verließ 1973 Atari, weil Magnavox ein Gerichtsverfahren gegen Atari anstrengte.

Die Empfangshalle am Winchester Boulevard. Hier saß  Cynthia Villanueva, Bushnells ehemalige Babysitterin

Die Empfangshalle am Winchester Boulevard. Hier saß Cynthia Villanueva, Bushnells ehemalige Babysitterin

In den kommenden Jahren wurden hier am Winchester Boulevard neue große Spielautomaten entwickelt, gebaut, präsentiert und verkauft. Hilfreich war dabei die allgemeine Aufbruchstimmung die sich zusätzlich durch das gerade entstehende „Silicon Valley“ (Sunnyvale) verbreitet. Bushnells Angestellte waren meistens jünger und vielleicht noch verrückter als er selbst. Es war ein Kommen und Gehen. Von den ersten Einnahmen wurde ein Whirlpool angeschafft. Das passt in das Gesamtbild, das man von Atari 1974 bekam, aber es passte so gar nicht zu den seriösen Firmen in der Umgebung.

Der Whirlpool, der 1973 angeschafft wurde.

Der Whirlpool, der 1973 angeschafft wurde.

Bei Atari schien in dieser Zeit nichts geregelt zu sein. Junge und alte Freaks die kamen und gingen wie es ihnen passte. Sie arbeiteten fast mehr in der Nacht als am Tage. Sie entwickelten dabei ständig Neues. Einige Konzepte überdauerten, andere verwarfen sie im Morgengrauen. Dabei waren sie erfolgreich. Sie waren so erfolgreich, dass der Umsatz schneller wuchs als Bushnell es sich je hätte träumen lassen. 1974 hatte Atari bereits über 300 Mitarbeiter. Dieses Miteinander brachte immer wieder neue Personen mit ins Spiel. Wer etwas konnte, wurde sofort eingestellt.

Einer davon war Steven Jobs der (angeblich) als der vierzigste auf der Gehaltsliste geführt wurde. Er lief barfuß durch die Räume und erzählte jedem, dass er auswandern will. Während seinen nächtlichen Spielesessions mit Stephen Wozniak entwickelt er 1976 in nur fünf Tagen Breakout. Aber eigentlich hatten die beiden größeres im Sinn: Einen Homecomputer. Bushnell war davon jedoch nicht begeistert und so gingen die beiden ihrer Wege und gründeten Apple. Das Klima bei Atari war so gut, dass daraus übrigens sogar einige Ehen zwischen Angestellten entstanden.

 

 

 

Massenweise Gehäuse und TV Geräte im Warenlager

Massenweise Gehäuse und TV Geräte im Warenlager

Bushnell wollte natürlich mehr und kaufte 1976 Cyan Engineering, eine Denkfabrik, benannte sie in Grass Valley um und integrierte dort die Forschungs- und Entwicklungsabteilung. Zwar hatte er damit Power eingekauft, aber auf der anderen Seite auch das Geld ausgegeben, das er eigentlich für die Entwicklung selbst brauchte. Man erkennt hier deutlich das Dilemma in dem Atari sich befand. Genügend Geld aber kein Know How oder doch lieber Entwicklungskraft zu besitzen, aber kein Geld für die Herstellung? Atari hatte zu diesem Zeitpunkt bereits fast 1000 Mitarbeiter. Die ersten Lager am Moffett Park in „Silicon Valley“ waren bereits in Ataris Hand.

Am Winchester Boulevard entstand aber nicht nur das Konzept „Stella“, die spätere VCS. Sondern dort wurden auch erstmals Flipperautomaten unter dem Atari Label gebaut. Aber Obwohl die Geschäfte gut liefen, war das Geld zu knapp, weil alles in das Wachstum gesteckt wurde. Es reichte nicht aus um „Stella“ zu Ende zu bringen. So musste sich Bushnell nach einem Geldgeber umsehen. 1976 verkaufte er Atari für 29 Millionen US Dollar an Warner Communications. Als „Chef“ bleibt er noch eineinhalb Jahre bei Atari.

 

 

 

 

 

 

 

1976 bis 1984 – 1265 Borregas Avenue, Sunnyvale, Kalifornien

Das Symbol des Moffett Park

Das Symbol des Moffett Park

 

Im Moffett Park, der zwischen Caribbean Drive und 237 Road liegt, befindet sich das, was einstmals die Kreativität, Fantasie und Wunder besaß. Daraus entstanden die Funken, die das erste Feuer entfachten, aus dem Silicon Valley entstand. Dies ist die Heimat einiger Straßen, die einmal für die meisten Atari Historiker und Spieler das Zentrum des Universums darstellten. Moffett Park, Carribean Drive, Java Drive, Gibraltar, Bordeaux und Borregas. Dies waren die Straßen in denen sich die Gebäude befanden in denen die Labore, Büros und Lager mit all ihrer Kreativität und Erfindungsreichtum untergebracht waren.

Mit dem Verkauf an Warner, wurde der Firmensitz 1976 in das neue Gebäude der Borregas Avenue 1265 in Sunnyvale verlegt. Hier am „Moffett Park“, der ursprünglich für Bürogebäude gedacht war, breitete Atari sich in den folgenden Jahren rasant aus.

Atari brauchte für die Vollendung der Konsole „Stella“ Platz. – Sehr viel Platz – Warner schob gleich zu Beginn 100 Millionen Dollar in das Projekt Stella um die Spielkonsole fertig zu stellen. Am Ende waren es sogar 120 Millionen Dollar. Mit dem Geld wurden Ingenieure bezahlt, Waren eingekauft, sowie Häuser und Lager gebaut.

Regan Cheng und Dr. Gene N. Landrum, Ph.D. waren wie Katalysatoren in der Atari Consumer Division und schufen Dinge aus dem Nichts. Sie gingen damals zusammen mit Nolan Bushnell und Joe Keenan zu Warner. Landrum ist am besten bekannt für das spätere Errichten von „Chuck E. Cheese“ und dem Pizza Time Theatre. Regan Cheng ist am ehesten bekannt als der Mann, der dem Atari das moderne Aussehen gab. Er entwickelte das Aussehen der 5200 und der XL Line.

Bevor unter Warner die schwierige Zeit mit den hohen Verlusten begann, wurden bereits über 10.000 Menschen beschäftigt. Atari besaß über 50 Gebäude in Sunnyvale und sehr viele Werke in aller Welt. Darunter auch in El Paso, Texas, Taiwan und Irland. (Später auch in Hong Kong). Dieses winzige Unternehmen Namens „Atari“ war innerhalb von 10 Jahren zu einer gigantischen Spielefabrik geworden.

Auf dem Luftbild ist der Moffett Park zu sehen. Alle Gebäude die einmal zu Atari gehörten sind blau hervorgehoben. Die andersfarbig markierten Gebäude gehörten ebenfalls zu Atari. Sie wurden aber entweder erst nach 1978 gebaut oder waren zeitweise im Besitz anderer Firmen. Weitere Adressen außerhalb des Moffett Park sind bekannt und im Artikel beschrieben.

Lagepläne und Expansion von Atari

Bild 19

Bild 19

Bild 20

Bild 20

Bild 19 und 20: Durch Zufall bekam ich die zwei Lagepläne in die Hände. Der eine aus dem Jahr 1977, der andere aus 1978. Deutlich ist die Expansion zu erkennen. In nur einem Jahr kamen die Gebäude 155, 1196 und 13xx dazu. Die 1320 wurde abgerissen und durch die 1306 (b) ersetzt. Das Gebäude (A) wurde wahrscheinlich nie gebaut, denn an dessen Stelle stehen heute drei Gebäude, die übrigens für sich allein schon riesig sind.

Tour

Tour

Ganz ohne Plan war ein Aufsuchen der Gebäude nicht sinnvoll. Die rote Linie auf dem nebenstehend Bild zeigt die Reihenfolge, in der die Gebäude in Sunnyvale zur Sprache kommen.

Die Tour beginnt oben rechts und geht senkrecht die Borregas Avenue hinunter. Am Moffett Park kommt der Schwenk und zurück geht es nach oben über den Bordeaux Drive. Am Java Drive folgt der Schwenk nach rechts und geht den gleichen Weg wieder zurück. Wieder weiter dem Bordeaux Drive folgend kommt ein Schwenk nach links. In der Mathilda Avenue angekommen geht der Weg weiter nach oben und mündet dort im Carribbean Drive. Die Tour endet dort wo sie angefangen hat, an der Borregas Avenue.

 

 

 

 

 

 

 

 

1385 bis 1395 Borregas Avenue (Consumer Warehouse)
142 Caribbean Drive (Pinball warehouse)

Verbraucher Warenlager und Flipper Lagerhaus

Die ehemaligen Lagerhallen von Atari sind so groß, dass die Halle 1385 an vier Untermieter weitergereicht wurde.

Die ehemaligen Lagerhallen von Atari sind so groß, dass die Halle 1385 an vier Untermieter weitergereicht wurde.

Gleich zu Beginn der Borregas Avenue stehen zwei große Warenlager. Die beiden Lager sind so groß, dass sie heute von mehreren Unternehmen genutzt werden. Dazu wurden in den Jahren nach Atari weitere Eingänge geschaffen. Es gibt an jedem Gebäude 8 Rolltore zur Warenannahme. Und dabei sind diese beiden Warenlager mit jeweils ca. 3000 qm nicht mal die größten die Atari hier in Silicon Valley hatte. (siehe Carribean drive 360 – 390)

In diesen Gebäuden lagerten nur die Kleingeräte für den Endverbraucher. Fertiggeräte wie Computer, Computerzubehör, VCS und deren Erweiterungen, usw.

Die Lagerhalle 1395 wurde durch fünf geteilt, jedoch sind dort aktuell  nur vier Firmen untergebracht.

Die Lagerhalle 1395 wurde durch fünf geteilt, jedoch sind dort aktuell
nur vier Firmen untergebracht.

Direkt zwischen den beiden Hallen befindet sich das Lager 142 Caribbean Drive. In diesem Lagerhaus hatte Atari mit 1000qm nur ein Drittel der Lagerfläche gemietet. Es war die Lagerhalle für die Flippergeräte, deren Produktion Anfang 1979 eingestellt wurde. Atari zog dort später wieder aus, als nach und nach die gewaltigen Lagerhallen 360 bis 390 angemietet wurden. Obendrein war die 142 nicht gut zugänglich. Die großen Sattelschlepper rangierten hier immer wieder, um jeden Zentimeter auszunutzen zu können.

Diese Lager haben jedoch auch eine traurige Berühmtheit erlangt. Wegen Überproduktion wurden 1977 (und auch 1978) viele Atari Pongs, Video-Flipper und andere Spielkonsolen auf Anordnung der Geschäftsführung zerstört, um sie anschließend mit großen Lastwagen zur Müllkippe zu bringen. Dies war das erste Mal, dass Atari massenweise Geräte zerstörte um den Preis für die Ware hoch halten zu können.

Die Halle 142 befindet sich hinter dem LKW. Hier erkennt man deutlich den Platzmangel

Die Halle 142 befindet sich hinter dem LKW. Hier erkennt man deutlich den Platzmangel

Die größte Massenzerstörung fand jedoch in der Zeit von 1983 bis 1984 statt, als die Waren ganzer Fließbandstraßen vernichtet werden mussten. Dabei handelte es sich zum einen um Waren mit minderer Qualität und zum anderen waren dies die verlustreichsten Jahre bei Warner mit über 500 Millionen US Dollar Verlust. Atari machte regelmäßige Reisen aus unterschiedlichen Gründen zur Müllkippe.

Das Recycling Unternehmen existiert übrigens auch heute noch. Es befindet sich in der Carl Road am Ende der Borregas Avenue und firmiert dort unter dem Namen „SMaRT“. Sie war damals wie heute die Müllkippe von ganz Sunnyvale. Dort wurde Überschussware, die nicht mehr verkauft werden konnte oder für die kein Lagerplatz vorhanden war, vernichtet. Es ist eigentlich unvorstellbar, dass etwas wegen Platzmangel zerstört wurde, wo Kalifornien von einem sicher genügend hat: Platz für Häuser und Lager.

Die Müllkippe am Ende der Borregas Ave (Carls Road) existiert auch heute noch.

Die Müllkippe am Ende der Borregas Ave
(Carls Road) existiert auch heute noch.

Diese Reisen zur Müllkippe waren nicht nur bei Atari normal. Auch andere Firmen hatten mit den gleichen Problemen zu kämpfen. Aber diese Müllkippe verblasst im Gegensatz zum größten Massenbegräbnis in Ataris Geschichte. Atari schloss im April 1983 das Werk in El Paso (Eine Stadt, die durch die Grenze zu Mexico geteilt ist). Die Ladung von 15 – 20 Lastwagen mit unverkauften Waren, wurden zerstört und in der Wüste nahe dem 140 KM entfernten Alamogordo in New Mexico vergraben. Atari sagte damals, dass es sich um defekte Ware gehandelt habe. Tatsächlich aber waren es hunderttausend überproduzierte Cartridges und Konsolen die vernichtet wurden. Wegen Überproduktion, bzw. mangelnder Nachfrage war ein Einlagern nicht denkbar. Atari bestritt diese Vermutungen, aber Zeugen sowie die Müllkippe-Aasgeier fanden viele Atari Gegenstände in noch funktionierendem, als auch in defektem Zustand. Ein Rücktransport in das über 1900 km entfernte Sunnyvale wäre jedenfalls zu teuer gewesen. Der Wahrheitsgehalt dieser Erzählung ist inzwischen durch Zeitungsberichte und Interviews bewiesen.

1272 Borregas Avenue (Engineering) (Konstruktionsbüro)

Die Entwicklungsabteilung von Atari. Ein großes Portal und  im Nebengebäude Schwimmbad und Sauna.

Die Entwicklungsabteilung von Atari. Ein großes Portal und
im Nebengebäude Schwimmbad und Sauna.

Atari’s Gebäude für Ingenieurwesen wurde erst 1978 gebaut. Um hier her zu kommen. muss man etwa die halbe Borregas Avenue entlang gehen. Und die ist sehr lang! Vorbei an den anderen Grundstücken mit Gebäuden aus Beton. – Beton ist hier überall. Das ist etwas seltsam, denn in den umliegenden Orten bestehen die Wohnhäuser alle aus Holz. Nur die Industriezentren verwendeten Beton.

Während des Baus wurden tausende ROM Chips in den Zement gemischt. Sie befinden sich nun im Gebäude-Fundament. Vielleicht sollte dies eine Geste sein um „viel Glück“ zu wünschen, denn in diesem Gebäude sollte die gesamte künftige Entwicklung stattfinden.

Das Haus Nummer 1272 wirkt mit seinem Eingangsportal imposant.

Vor fast allen Atari Gebäuden findet sich heute eine üppige Vegetation. Auf dem Bild steht der Betonpfeiler mit Hausnummer, aber ohne einen Firmennamen

Vor fast allen Atari Gebäuden findet sich heute eine üppige Vegetation. Auf dem Bild steht der Betonpfeiler
mit Hausnummer, aber ohne einen Firmennamen

Es war neben den anderen Entwicklungsgebäuden jenes, das am meisten (nach der Arbeit) besucht wurde und das in der Belegschaft am meisten Aufregung verursachte. Im Nebengebäude befand sich die Badehalle, an die eine Sauna angrenzte. Zwischen der Männer- und Frauenabteilung befand sich ein Raum zum Entspannen. Jeder Atari Mitarbeiter durfte dieses Angebot kostenlos nutzen. Ein Gebäude, das mit Atari Schriftzug über dem Portal auch für die damaligen Ingenieure ein erhebendes Gefühl gewesen sein muss, hier zu arbeiten.

Dieses Haus steht heute leer. Die Firmen die nach Atari einzogen, sind inzwischen wieder ausgezogen. An einem Betonpfeiler neben dem Gebäude sind über der Hausnummer nur noch verblasste Firmennamen zu lesen. Wenn man vor dem Gebäude steht, kann man beim Betrachten der stark verspiegelten Fenster und dem Rauchglas in den Eingangstüren, die 80er Jahre regelrecht fühlen. Allein wegen seiner großartigen Präsenz, hätte dies meiner Meinung nach das Hauptquartier von Atari zu Warner Zeiten sein müssen.

 

1265 Borregas Avenue (Corporate Headquarters (bis 1984))

1265

1265 Borregas Avenue: Das Hauptquartier zu Warner Zeiten. Nur ein Teil der Einfahrtschleife ist noch vorhanden. Das Eingangsportal wurde verkleinert und die weitläufige Treppe reduziert. Wegen seiner Größe wurde es geteilt und an zwei Firmen vermietet. Heute trägt es die Nummern 1263 und 1265.

Die 1265 war während der Warner-Jahre Atari’s Hauptquartier. Dieses Gebäude war bekannt für sein Portal und die Treppe, die am Ende der Einfahrtschleife begann und bis in das Foyer reichte. Hier war es, wo der Präsident der „Atari Computer Division“, Ray Kassar, jeden Morgen ankam, aus seiner chauffierten Limousine stieg und durch die Pforte das Gebäude betrat. In den späten 70ern betrat hier auch Michael Jackson das Atari Gelände, um sich zeigen zu lassen wo die Videospiele entstehen. Auch landeten hier die Warner Hubschrauber, wenn wieder einmal eine Firmenbegehung mit der obersten Führungsriege anstand. Denn Atari war eine Vorzeigefirma was den Erfolg und die Expansion betraf.

Der Parkplatz vor der 1265 stand damals voll mit Porsche und Mercedes. Dies war der Ort wo das Geld ankam und wieder ausgegeben wurde. Atari hatte es 1980 geschafft, nach Erscheinen der VCS ein Drittel des gesamten Umsatzes des Warner Konzerns allein erwirtschaftet zu haben. Gleichzeitig stieg Atari in die Geschichte Amerikas als das am schnellsten wachsende Unternehmen aller Zeiten ein.

In der 1265, war auch der Laden untergebracht, in dem Angestellte und ihre Familien mit 50% Rabatt Atari und Warner Produkte kaufen konnten.

Clayton Cowgill neben dem Eingang zum legendären Atari games room

Was aber noch viel interessanter erscheint, ist dass in diesem Gebäude auch der legendäre „Atari Games Room“ zu finden war.

Ein Ausschnitt aus der Erinnerung von Clayton Cowgill, dessen Geschichte ich mit freundlicher Genehmigung ins deutsche übersetzt habe: Im Jahr 1982 als ich 13 Jahre alt war, reisten wir nach Kalifornien. Meine Interessen waren damals Atari, Videospiele, Atari, Homecomputer, Atari, Elektronik und Atari. Ach und fast hätte ich es vergessen: Alles was von/mit/in Beziehung zu Atari stand.

Der Höhepunkt der Reise war die Besichtigung von Silicon Valley, wo ich mit meinem Vater am Büro des Hauptquartiers von Atari anhielt. Die Dame am Empfang schlug vor, ich sollte zum Besucherzentrum gehen und dort nach Einlass in den „Atari Games Room“ fragen. Zwanzig Minuten später standen wir auf der Borregas Avenue vor dem Eingang an einem schwarzen Gebäude mit einem weißen Atari Logo und ich meldete mich an der Tür. Stille – Kälte – Aber irgendwann meldete sich jemand. Mein Vater überzeugte den Sicherheitsdienst, dass wir den langen Weg von Oregon nur gemacht hatten um das Atari Spielzimmer zu sehen. Nach etwas Überredung durften wir dann hinein.

 

Im Atari Games Room standen alle jemals von Atari gebauten Spiele. Auch die noch nicht erschienenen

1982 der Treppenaufgang zum Atari games room in der 1265 Borregas Avenue. Auf dem Bild ist Clayton Cowgill zu sehen.

Spiele waren dort vertreten. Ich ging auf einen Automaten zu und spielte ein seltsames neues Spiel namens Firefox. Es war der Himmel auf Erden für Videogamer. Auf einmal kam ein Fernsehteam herein, das anscheinend von Phillip Morris war. Da ich ein Atari Polohemd trug glaubten alle ich sei hier her bestellt worden und Teil des Plans. Auf einmal war ich mitten in einer Fernsehreportage. Intuitiv hielt mein Vater sich zurück und setzte einen Blick auf a la „Ich kenne ihn nicht und habe ihn noch nie gesehen“. Sie filmten mich während ich an dieser erstaunlichen Technologie spielte! Später am Abend sahen wir durch Zufall auf Kanal 2, Bay-Channel die Nachrichten. Ich war Teil des ausgestrahlten Berichts in dem ich zu sehen war, während ich einen neuen Prototypen spielte. – Clayton Cowgill.

Die Öffnungszeiten des Atari Games Room waren:
Montag bis Samstag 8 Uhr bis 22 Uhr
Sonntags 9 Uhr bis 16:30 Uhr

Heute ist das Gebäude aufgeteilt und es wurde inzwischen neu gestrichen. Die großartige Treppe ist verschwunden und der legendäre „Atari Games Room“ existiert nicht mehr. Aber die Erinnerungen daran bleiben sicher genauso bestehen wie die grandiosen Spielideen aus Ataris ehemaliger Denkfabrik.

 

 

Raymond Kassar

Raymond Kassar

In der oberen Etage hatte Ray Kassar sein Büro, dessen Fenster nach hinten auf den Parkplatz wiesen. Er hatte in seinem Büro ebenfalls eine Spielkonsole stehen, die er jedoch nie genutzt hat. Ray Kassar war Geschäftsmann durch und durch, der sein Geschäft verstand. Nicht umsonst war er noch bis 1982 unter Warner das Oberhaupt für Atari.

Kassar war ein Mensch der Atari zwar nach vorne brachte, aber selbst glaubte die VCS sei das Non-Plus-Ultra und müsse nicht weiterentwickelt werden. 1983 wurde er von James Morgan, einem ehemaligen Manager der Philipp Morris AG abgelöst. Kurz danach verursachte Atari mit einer halben Milliarde Dollar, den größten Verlust in Warners Firmengeschichte. Die Probleme hatte Warner sich aber selbst zuzuschreiben. Zum einen stand Kassar unter dem Verdacht der Untreue, zum anderen war Morgan jemand der dem Irrglauben folgte, Spielkonsolen wären wie Zigaretten und hätten dadurch die gleichen Wachstumschancen. (Zum Teil Quelle: Zap! Rise and fall of Atari)

Wer gerade den Teil von Clayton Cowgill gelesen hat, wird hier leichte Parallelen feststellen. Da die Zeit und die Beschreibung stimmen, war es kein Werbefilm der in seiner Anwesenheit gedreht wurde. Viel mehr wird es sich um den Nachrichtenbeitrag gehandelt haben, in dem die Ablösung von Ray Kassar durch James Morgan von Phillipp Morris zu Sprache kam. – Tja, manchmal finden Puzzelteile der Geschichte erst 30 Jahre später zusammen.

Das Rechenzentrum von Atari. Die IBM 370148 zog hier 1978 ein.

Das Rechenzentrum von Atari. Die IBM 370148 zog hier 1978 ein.

Des Weiteren wurde in diesem Haus Ende 1978 die IT Abteilung untergebracht und die brandneue IBM 370148 aufgebaut.

Da nichts anderes dokumentiert ist, blieb dieses Gebäude nach der Teilung Ataris, höchstwahrscheinlich in Warners Besitz, ebenso wie die Games Division mit den zugehörigen Produktionsstraßen und Lagern.

1215 Borregas Avenue (Consumer Final Assembly, Coin-Op Marketing) Services

Auf diesem Bild kann man im Hintergrund das Gebäude 1215 in seiner vollen Größe erkennen die die Größe der dahinter liegenden Produktionsstraßen vermuten lässt.

Atari’s Gebäude für Endmontage von Münzspielautomaten wurde erst 1979 fertig gestellt und ersetzte die alten Gebäude in Santa Clara, die nur halb so viel Platz zum arbeiten boten. Die meisten waren froh über mehr Platz, andere klagten über die längere Anfahrt. Dennoch war es für alle eine positive Veränderung, da sie nun endlich in der Nähe des Hauptsitzes waren und die Menschen treffen konnten die sie bisher nur vom Telefon kannten.

In diesem Gebäude standen Produktionsstraßen für Münzspielautomaten. Die Geräte wurden zusammengesetzt und am Ende einigen Tests unterzogen. Die Techniker bauten die Geräte im Akkord zusammen und bereiteten sie für die spätere Endprüfung im Warenlager vor.

Fließband mit Bildschirmröhren

Fließband mit Bildschirmröhren

1196 Borregas Avenue (Forschungsabteilung) bis 1984

1196 von der Seite fotografiert, mit mir im Vordergrund. Zwischen den Betonpfeilern steht eine Tafel mit Firmennamen, wo früher eine Tafel mit einem riesigen Atari Logo war.

Diese Hausnummer ist in Sillicon Valley eine der bekanntesten Adressen. Atari gründete 1978 die Home Computer Abteilung. Sie blieb damals absichtlich von der Videogame Abteilung getrennt, um bei etwaigen Verlusten nicht die gesamte Firma zu verlieren.

In der Hausnummer 1196 war das zentrale Labor für Forschung und Entwicklung untergebracht und beherbergte damals auch das 400/800/XL Team. Während der Warner Ära befanden sich an den Wänden teure und seltene Gemälde und andere Kunstwerke. Hier war ein Zentrum kreativer Gedanken und großer Theorien.

Sicher war dieses Gebäude mal ein Edelstein in Ataris Krone. Mehreren ehemaligen Atari Angestellten zufolge wurde die strukturelle Form der Stützpfeiler des Gebäudes so entworfen, um die grundlegende Form des Atari „Fuji“ Symbol nachzuahmen. Tatsächlich, wenn man über eine Hausecke auf zwei Seiten des Gebäudes blickt, kann man sich das Fuji Logo vorstellen. Aber was man sich hier mit genügend Fantasie noch vorstellen muss, ist am Gebäude des „352 Java Drive“ überdeutlich. Dort stellt jede Säule ein Fuji-Logo dar.

 

 

 

 

 

Die Beton-Säulen sind dem Fuji Logo nachempfunden, wenn man die Hausecke mit einbezieht,

Die Beton-Säulen sind dem Fuji Logo nachempfunden, wenn man die Hausecke mit einbezieht,

An der Gebäuderückseite befindet sich auch heute noch der Basketballkorb.

An der Gebäuderückseite befindet sich auch heute noch der Basketballkorb.

Wenn man um das Gebäude herum geht, findet man eine kleine Common-Plaza. Es war ein Bereich, an dem sich Angestellte entspannten und ihre Pausen verbrachten. Hier saßen sie in der Mittagszeit um zu rauchen oder ihr Sandwich zu essen oder um die Tagesereignisse zu diskutieren. Wenn man noch etwas weiter um das Gebäude herum geht, findet man einen Basketballkorb, der den Atari Mitarbeitern etwas Abwechslung und Bewegung in den Pausen ermöglichte. Er ist ein Überbleibsel der früheren Firmenkultur von Atari.

In der Borregas Avenue 1196 wurde außer den 400 und 800 Computern fast die gesamte XL Line entworfen. Die ersten technischen Spezifikationen der XL Serie wurden seinerzeit in New York WCI Atari research labs unter Steve Mayer mit Gregg Squires als den Kopf der Ingenieure entwickelt. Während dessen entwickelte in Sunnyvales Büros eine Industrie-Design Gruppe geführt von Roy Nishi und Regan Cheng den neuen Look der zweiten Computer Generation. Später wurden diese beiden Gruppen hier zusammengeführt.

Die 1400XL und 1450XLD sollten Mitte/Ende 1984 veröffentlicht werden. Der 1650XLD war bereits auf dem Reißbrett entstanden und sollte DOS Kompatibilität mit sich bringen. Sogar der Atari 1850XL war 1983 in Grundzügen zu Papier gebracht worden und sollte lizensierte Amiga Technologie beinhalten. 1983 hatte Atari die vor dem Ruin stehende Firma „Amiga Technology“ mit 500.000 Dollar finanziert und ließ die eigenen Ingenieure den Amiga mit entwickeln um später aus der gewonnenen Technologie eine Spielkonsole herzustellen.

 

1196 Tramiels Atari Hauptquartier

Borregas Avenue 1196

Hinter den Türen von Atari waren die intelligentesten Köpfe ihrer Zeit, die in der Lage waren, nicht nur Computer zu bauen, sondern auch Zukunftsvisionen zu entwickeln. Hier sprach man vom Modem für Homecomputer, als sonst noch niemand daran dachte. Aber alle Innovation der 8bit Systeme wurden verworfen, als die Tramiels nach Sunnyvale kamen.

Das Bild von der Borregas Avenue 1196 aus dem Jahre 1984 ist einmalig. Heute ist es so nicht mehr fotografierbar, weil die Nachfolger einen Wall um das Gebäude aufschütten ließen. Zusätzlich wurde alles mit Bäumen und Büschen bepflanzt, so dass man von der Straße aus keinen direkten Blick mehr zum Haus hat.

 

 

An dieser Stelle noch ein paar Unikate: Die Grundrisse mit der Raumaufteilung der Borregas Avenue 1196.

1196 Erdgeschoss

1196 Erdgeschoss

Bild 40: Ergeschoss der Borrregas Avenue 1196

1196 Obergeschoss

1196 Obergeschoss

Bild 41: Obergeschoss der Borrregas Avenue 1196

Die ersten 400 und 800 Computer wurden noch in Sunnyvale hergestellt. Später ging die gesamte Produktion ins Ausland in die verschiedenen Werke.

1190 und 1192 Borregas Avenue

Auch hier: Stilisiertes Fuji-Logo in den Säulen des Gebäudes

Auch hier: Stilisiertes Fuji-Logo in den Säulen des Gebäudes

Dieses Gebäude wurde Anfang der 80er gebaut und hat ähnlich der Nummer 1196 stilisierte Fuji-Logos als Säulen. Nachdem Atari aus Sunnyvale auszog, wurde das Gebäude geteilt und wird jetzt von zwei Firmen bewohnt. Welche Abteilung sich in diesem Gebäude mal befand, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Aber da nebenan die Entwicklung für Computer lag, wird hier vermutlich die Fertigung oder der Zusammenbau von Computern gewesen sein.

1195 Borregas Avenue (Consumer Sub Assembly) Vormontage

Vormontage

Vormontage

Ein großes, aber äußerlich unspektakuläres Gebäude, das nur da war um seinen Zweck zu erfüllen. In der 1195, die sich schräg gegenüber dem späteren Hauptquartier befindet, war die Vormontage. Hier wurde alles Steckbare zusammengesteckt.

Die Studenten standen an ihren Tischen oder am Fließband, um die Geräte für die Verbraucher zusammen zu bauen (VCS, Computer, Zubehör, usw.)

Der endgültige Zusammenbau erfolgte erst ein Haus weiter in der Halle 1185c. Zwischen diesen beiden Hallen wurden den ganzen Tag über dauernd irgendwelche Paletten mit Einzelteilen oder halb fertigen Geräten hin und her geschoben. Allein in diesem Haus arbeiteten einmal über 100 Menschen.

Bild 43: Die Hüllen der Spielmodule werden auf das Fließband gebracht

Bild 44: Die fertig bestückten Platinen werden voneinander getrennt

Bild 45: Weiter hinten werden die Module verschraubt und erhalten den Aufkleber

1173 Borregas Avenue (Pinball Manufacturing)
Pinball Herstellung

1173 Borregas Avenue: Flipperherstellung

1173 Borregas Avenue: Flipperherstellung

Von 1976-1978 entwickelte Atari einige der beeindruckensten aber auch merkwürdigsten Flipper-Spiele. Nolan Bushnell wusste, dass Atari nicht mit Williams konkurrieren konnte. Das lag am niedrigen Preis zu dem Williams die Flipper herstellen und verkaufen konnte. Deshalb wählte Bushnell einen anderen Weg. Atari zeigte Innovation und schuf Spiele, die komplexer, herausfordernder und ein größerer Blickfang waren. Das machte die höheren Preise wieder wett.

Hier in der 1173 wurden täglich Flippergeräte montiert. Von der kleinsten Schraube bis zum größten Gehäuseteil wurde hier alles gesammelt und miteinander verbunden. Klar, dass es hier nicht leise zuging. Aber auch wenn hier nicht mehr wie zu Bushnells Zeiten laut Rockmusik gehört werden durfte, so war es hier dennoch sehr laut. Denn sobald ein Flipper fertig war, wurde er einem ausführlichen Grundtest unterzogen.

Als Warner Communications die Flipperabteilung begutachtete, versuchten sie Wege zu finden die Flipper billiger herzustellen. Aber es fand sich kein Weg. Deshalb schlossen sie versuchsweise die Flipperabteilung, um in den nächsten Jahren das Flippergeschäft zu beobachten. Sie verkündeten, Atari würde 1982 mit völlig neuen Flipperspielen zurückkommen. Aber Supermann sollte wohl von vornherein Atari’s letztes Flipperspiel bleiben. Nach der Abkündigung gingen die Umsätze mit Flipperautomaten zurück, woraus Warner schloss, dass das Flipper Geschäft dem Ende entgegen ging. Die Flipperabteilung wurde nach der Schließung in 1978 nie wieder eröffnet.

155 Moffett Park Drive (Consumer Engineering)
Entwicklungsabteilung

Entwicklungsabteilung: Relativ nahe am Firmensitz

Entwicklungsabteilung: Relativ nahe am Firmensitz

Im Consumer Engineering saßen reihenweise Entwickler. Die Liste ist endlos. Unter anderem war hier auch Bob Polaro, der von 78 bis 84 bei Atari war und diese Zeit in einem Interview als die besten 6 Jahre seines Lebens beschrieb. Er war einer derjenigen, der hier viele bekannte Spiele entwickelte wie Hangman, States and Capitals, Biorhythms oder für das VCS Defender, RealSports Volleyball, Rampage, Desert Falcon und viele andere. Nach seiner Aussage dauerte es damals etwa 6 Monate bis ein Spiel für das VCS entwickelt und getestet war. Im Grunde eine recht lange Zeit. Ray Kassar gab in einem Interview mal bekannt, dass die tatsächliche Entwicklungszeit bis zur Marktreife etwa 9-12 Monate betrug.

1180 Bordeaux Drive (Coin-Op Printed Circuit Boards)
Münzspielautomaten Herstellung gedruckter Schaltungen

Ehemals wurden hier Platinen für Münzspielautomaten hergestellt

Ehemals wurden hier Platinen für Münzspielautomaten hergestellt

Für die Herstellung von Mainboards sind mehrere Schritte erforderlich um die Leiterbahnen zu ätzen. Daher roch es am Bordeaux Drive 1180 den ganzen Tag nach Chemikalien. Durch die verschiedenen Tauchbäder ging es anschließend in die Trocknung und danach in die Nachbearbeitung. Die Boards wurden voneinander getrennt und in großen Containern gelagert bis sie mit Bauteilen bestückt werden konnten.

1183 Bordeaux Drive (Professional Products Division)
1185C Bordeaux Drive (Engineering) (Gerätebau / Zusammenbau)

Die Nummern 1183 und 1185c befinden sich in einem einzigen Gebäudekomplex.

Die Nummern 1183 und 1185c befinden sich in einem einzigen Gebäudekomplex.

„Ein Anruf Zuhause und das Badewasser wird eingelassen“
Die 1183 war die Abteilung für professionelle Produkte. Darunter fiel auch die AtariTel Division, die 1984 mit der Übernahme durch die Tramiels an Mitsubishi verkauft wurde. AtariTel entwickelte Telefone die intern komplexe Computer besaßen. Im Gegensatz zu den damaligen Telefonen war es mit ihnen möglich Küchengeräte im Haushalt zu steuern. Dazu brauchte man lediglich einen Atari 800 XL. Mitsubishi zeigte auf Messen einige Prototypen, stelle aber am Ende die Entwicklung dieser Geräte ein.

Hinter dem Eingang 1185c wurden Kleingeräte montiert. Darunter fiel Zubehör für Computer. Mit etwa 150qm war hier nicht viel Platz.

390 Java Drive (Verwaltungsgebäude)

Platt wie eine Flunder. Die Verwandtschaft dieses Gebäudes zur 1196 lässt sich dennoch nicht leugnen.

Platt wie eine Flunder. Die Verwandtschaft dieses Gebäudes zur 1196 lässt sich dennoch nicht leugnen.

Über dieses Gebäude war nur in Erfahrung zu bringen, dass es sich um ein Verwaltungsgebäude handelte und zu Warners Zeiten gebaut wurde. Auch bei diesem Gebäude findet man in den Säulen das stilisierte Fuji-Logo. Irgendjemand bei Atari hatte offensichtlich Interesse daran und auch genügend Einfluss auf die Gestaltung der Häuser, um das Fuji-Logo mit einfließen lassen zu können.

1315 Borregas Avenue (Gebäude A) (Coin-OP Manufacturing)
(395 und 397 Java Drive)
Diese (drei/zwei) Gebäude waren in der Recherche ein echtes Problem. Denn auf den Lageplänen von 1977/78 ist am Java Drive nur ein einziges Gebäude „A“ eingezeichnet. Tatsächlich stehen dort aber drei Gebäude.

Was man auf dem Bild leider nicht erkennen kann ist, dass die drei Gebäude von einem grünen undurchsichtigen Bauzaun umrandet sind. Daher waren die Hausnummern nicht zu ermitteln und deshalb konnte ich keine Fotos machen. Vermutlich tragen sie die Nummern 395 bis 397 Java Drive und 1315 Borregas Avenue.

 

An der Kreuzung steht ein Schild, dass dort ein „Java Building“ entstehen wird. Diese drei Gebäude (oder zumindest die beiden kleinen Gebäude) werden also demnächst abgerissen. Das ursprünglich geplante Gebäude „A“ war 1978 noch für die Herstellung von Münzspielgeräten gedacht und wäre mit ca. 30.000 qm (!) etwa dreimal größer geworden als Ataris größtes Warenlager. Da Atari 1979 die Flipper Produktion einstellte, wurden andere Gebäudeteile frei, so dass umgeplant werden konnte. Höchst wahrscheinlich befanden sich hier ab 1979 die Produktionsstraßen für Computer und Zubehör, bevor sie nach Asien und Mexico ausgelagert wurden. Das gigantische Gebäude „A“ wurde also vermutlich nie gebaut. Trotzdem. Ein Gebäude das 30.000 qm Grundfläche hat, scheint für mich wie ein Zacken in Krone der Gigantomanie zu sein.

1306 / 1320 Bordeaux Drive (Coin-OP PCB Manufacturing)

Die 1306 ist nach 20 Jahren bereits zugewachsen

Die 1306 ist nach 20 Jahren bereits zugewachsen

Im Januar 1979 wurde das neue Gebäude am 1320 Bordeaux Drive bezogen. Hier wurden die PCB Boards für die Spielautomaten hergestellt.
Mit dem Umzug konnte wertvoller Platz in anderen Gebäuden freigegeben werden. Die Elektroniker beschwerten sich seinerzeit, dass sie über einen Fußballtisch steigen mussten um in den Essenraum zu gelangen.

1320 Bordeaux Drive: Board Herstellung

1320 Bordeaux Drive: Board Herstellung

In diesem Gebäude saßen die Elektroniker mehreren Tischen und löteten die Einzelteile auf die Boards.

1340 bis 1349 Bordeaux Drive
Die Gebäude mit den Nummern 1340 bis 1364 sind alle sehr ruhig gelegen. Zwischen den Gebäuden dieser Eingänge befindet sich ein Parkplatz. Leider waren keine Innenaufnahmen zu bekommen. Zumindest war herauszufinden, wozu die Räume angemietet wurden.

Die Nummern 1340 bis 1349 befinden sich alle in einem einzigen Gebäude, des mehrere Eingänge hat.

Von der Hausnummer 1340 bis zur Nummer...

Von der Hausnummer 1340 bis zur Nummer…

... 1349 befinden sich alle Eingänge in einem Gebäude.

… 1349 befinden sich alle Eingänge in einem Gebäude.

Hier waren zu finden:
– 1340 Bordeaux Drive (Consumer Chip Programming) Verbraucher Chip Programmierung
– 1342 Bordeaux Drive (Consumer Warehouse) Verbraucher Warenlager für Kleinteile
– 1344 Bordeaux Drive (Coin-Op Customer Service) Coin-Op Kundendienst
– 1346 Bordeaux Drive (Consumer Customer Service) Verbraucherservice Kundendienst
– 1349 Bordeaux Drive (Verwaltungsgebäude) Hier stand ein original Computer Space, das älteste Relikt aus der Vergangenheit von Atari

1360 bis 1364 Bordeaux Drive

Dicht bewachsen, aber sehr ruhig gelegen. Datenverarbeitung

Dicht bewachsen, aber sehr ruhig gelegen. Datenverarbeitung

Die Nummern 1360 bis 1364 befinden sich in einem weiteren Gebäude.
– 1360 Bordeaux Drive (Maintenance Department – Data processing) – Abteilung Datenverarbeitung
– 1364 Bordeaux Drive (Board Games Division) – Brettspiele Abteilung

390 Caribbean Drive (Consumer Warehouse – Finished Goods)
Verbrauchsgüter Lager – Komplettgeräte

Dieses Warenlager war mit ca. 10.000qm das größte Lager das Atari besaß. Auf diesem Bild ist nur eine von sechs Hausecken sichtbar, von der es an der runden Seite insgesamt sechs gab.

Dieses Warenlager war mit ca. 10.000qm das größte Lager das Atari besaß. Auf diesem Bild ist nur eine von sechs Hausecken sichtbar, von der es an der runden Seite insgesamt sechs gab.

Dieses Warenlager für Komplettgeräte ist einfach gigantisch groß. Es ist die größte Halle die ich jemals gesehen habe. Ich will versuchen die Größe zu beschreiben, weil die Fläche von 10000qm schwer vorstellbar ist. Es ist leider etwas abstrakt, weil die Beschreibung einer runden Ecke ebenso schwer ist.

Wenn man auf das Luftbild zu Beginn dieses Artikels blickt, befindet sich das Lager 390 Carribean Drive oben links in der „runden Ecke“. Das Gebäude hat an der halbwegs „runden Seite“ sechs Ecken. Auf dem hier gezeigten Bild kann man nur ein wenig mehr als eine Ecke sehen. Würde man dieses Bild sechsmal nebeneinander legen, hat man in etwa die Dimension der „runden Seite“ vom Carribean Drive 390. Die geraden Seiten haben etwa die Länge von 100 x 120 Meter. Ich kann nur noch betonen, dass es lange gedauert hat, bis wir mit dem PKW zur Hälfte um das Gebäude herum waren. Wenn ich mich nicht verzählt habe, dann waren allein an der „runden Seite“ 24 LKW-Rolltore zur Warenannahme.

Angesichts dieser Ausmaße, ist auch die die folgende Erzählung durchaus nachvollziehbar.

Atari hatte seinerzeit große Probleme die Nachfrage nach 825 Druckern (80 Zeichen Drucker) zu erfüllen. Mehrere Jahre später, als Atari aufgelöst wurde, fand sich in einem der vielen Warenlager die in der Stadt verteilt waren, ein Lagerhaus das vom Boden bis zur Decke voll mit Paletten war, auf denen tausende neue Atari 825 Drucker standen. Irgendein Lagerarbeiter hatte die Waren falsch eingelagert. Auch diese Story entspricht der Wahrheit. Sie wurde während eines Interviews mit Brad Koda, Best Electronics im Oktober 2007 bestätigt. Er hat einige dieser Paletten damals aufgekauft und hat auch heute noch welche davon im Angebot. Aber die meisten dieser vielen hundert Paletten wurden später vermutlich vernichtet und landeten auf der Müllkippe.

380 Caribbean Drive (Consumer, Coin-Op Warehouse)
Lager für Münzspielautomaten

380 Caribbean Drive

380 Caribbean Drive

In dieser Halle standen mehrere tausend Spielautomaten. Diese wurden hier einem Abschlusstest unterzogen. Anschließend wurden sie verpackt und auf die LKWs geladen.

Spielautomaten in der Endprüfung

Spielautomaten in der Endprüfung

Atari Münzspielautomaten, soweit das Auge reicht

Atari Münzspielautomaten, soweit das Auge reicht

In der nächsten Tür 384 befand sich ein Raum der einem Computerhändler gehörte und der dort Überschusswaren lagerte. Neben Einzeltzeilen für PC’s und Mac’s auch Teile für Atari Computer.

360 Caribbean Drive (Consumer Warehouse – Components)
Warenlager für Einzelteile und Verbrauchsgüter

Eines der vielen Atari Warenlager für Einzelteile

Eines der vielen Atari Warenlager für Einzelteile

360 Caribbean Drive

360 Caribbean Drive

Dieses Warenlager hat ca. 6000 qm Grundfläche. Zu diesem Lager, das die Waren für die Endverbraucher beherbergte, gibt es folgende Begebenheit: Atari brauchte dringend Platz und hatte einem örtlichen Händler für einige hundert Dollar eine große, nicht genau bezifferte Menge an Paletten mit Atari 5200 Trackballs verkauft. Diese hatten sich leider als Ladenhüter erwiesen und mussten nun aus dem Lager entfernt werden. Als der Händler vor Ort war, sah er eine 3 Meter hohe Palette, voll mit Trackballs und dachte, das wäre alles. Aber der Lagerarbeiter schickte ihn um die Ecke. Als er die Masse sah erkannte er in welchen Schwierigkeiten er jetzt steckte. Er rief seinen Geschäftspartner an, der auch sofort kam. An der Seite des Gebäudes standen die restlichen Paletten auf sechs Traktor-Anhängern mit insgesamt fast 18.000 Trackballs.

Der Atari 5200 Trackball

Der Atari 5200 Trackball

Atari war wohlwollend und erlaubte ihm die Anhänger für den Transport zu nutzen. Der Käufer lagerte alle Trackballs in einem Hinterhof ein und fing an die Trackballs auseinander zu nehmen. Im Verlauf des Sommers verarbeitete er etwa 11.000 Stück. Er recycelte die Gehäuse, verkaufte die Einzelteile wie optische Sensoren, Schnüre und Stecker. Das Beste daran war aber, dass er die Kugeln der Trackballs als Türknäufe verkaufen konnte.

 

 

 

 

 

 

352 Java drive / 1284 Geneva Drive
Der 352 Java Drive wurde Anfang der 80er zu Warner Zeiten gebaut. Bei diesem Gebäude ist jede Säule deutlich als Atari Fuji Logo zu erkennen

Deutlicher erkennbar kann kein anderes stilisiertes Fuji Logo sein.

Deutlicher erkennbar kann kein anderes stilisiertes Fuji Logo sein.

Ausserhalb des Moffett Park gab es weitere Gebäude in denen Atari sich niedergelassen hatte. Da hiervon keine Bilder existieren, an dieser Stelle nur eine kleine Auflistung und deren Funktion.
* 275 Gibraltar Drive (Semiconductor Group) – Halbleitergruppe
* 1105 N. Fairoaks Avenue (Coin-Op Customer Service) – Coin-Op Kundendienst
* 845 W. Maude Avenue (Consumer Product Service) – Verbraucher Produktservice
* 1312 Crossman Avenue (International Division) – Abteilung für internationale Kontakte

Die Jahre 1984 – 1996
1196 Borregas Avenue (Corporate Headquarters (1984 to 1996)) Geschäftsführung
Mit dem Verkauf an die Tramiels wurden auch die Gebäude aufgeteilt. Die Coin-Op/Arcade Division blieb bei Warner. Alles andere ging an die Tramiels. Da leider nicht dokumentiert ist welche Gebäude in der Zeit 1982 bis 1984 von Warner aufgelöst wurden, kann man nur darüber spekulieren welche Gebäude an die Tramiels gingen.

Als die Tramiels an der neuen Zentrale an der frischbezogenen 1196 Borregas Avenue in Sunnyvale ankamen, soll der Pförtner „The stormtroups arrived!“ (Die Sturmtruppen sind gekommen) gerufen haben. Und so war es dann wohl auch. Jack Tramiel reduzierte gleich zu Beginn die Zahl der Atari Angestellten von 5000 auf 1500, kündigte CEO James Morgan und ernannte sich im Anschluss selbst zum CEO des nun zu „Atari Corporation“ umbenannten Unternehmens. Sein Sohn Sam Tramiel wurde Präsident von Atari Corp.

Im Eingang stand später ein Empfang an dem eine Frau namens Geraldine die Besucher begrüßte und hier über Jahre hinweg Anrufe entgegen nahm. Dieser Empfang stand noch bis zum Jahre 2003. (Das Jahr in dem sich Infogrames zu Atari umbenannte)

Der Weg um die ehemaligen Gebäude von Atari erscheint etwas gespenstisch. Die Häuser sind heute nur noch einfache Bürogebäude. Dabei waren sie früher doch so viel mehr als nur das. Genau genommen sind es die Menschen die hier einmal waren und die diese Zeit und die Gebäude prägten. Sie waren es die etwas derart großes geschaffen hatten, dass es unsere Kindheit veränderte und an das wir uns heute noch gerne erinnern.

In den Jahren nach 1984 vernachlässigte Atari die eigenen Gebäude, so dass sich im Laufe der Zeit gelbe Flecken an den Decken zeigten und außen die Farbe abzublättern begann.

Während ich über den Parkplatz gehe, weht ein leichter Wind. Es ist wie ein letzter schwerer Seufzer von Atari, der hier um das Gebäude zieht. Denn auch wenn die große Tafel mit dem Atari Logo weg ist, die Firmenschilder entfernt wurden und auch sonst kein Mensch von Atari mehr hier ist, wird Atari für mich immer hier sein, solange in der Borregas Avenue die 1196 mit ihren typischen Fuji-Säulen noch steht.

In Sunnyvale wurden seinerzeit durch die Tramiels sämtliche Weiterentwicklungen der XL-Serie gestoppt, auch die 7800 Systeme fielen dem zum Opfer, AtariTel wurde nach nur einem Jahr an Mitsubishi verkauft. Jack Tramiel warb einige Entwickler von Commodore ab, darunter auch Shiraz Shivji, den Erfinder des legendären C64, der in nur 6 Monaten den neuen Atari ST Rechner entwickelte. Um die Produktionswege möglichst kurz zu halten, verlegte Tramiel einige Abteilungen. Dadurch änderte sich auch die Gebäudebelegung, was aber kaum noch nachzuvollziehen sein wird, wenn man nicht gerade zufällig jemand von der Planung interviewen würde.

1250 Borregas Avenue

Ob dieses Gebäude bereits vor den Tramiels in Warners Besitz war, ließ sich nicht feststellen. Da die Hausnummer 1196 das neue Hauptquartier sein sollte, mussten die Entwickler in das daneben liegende Gebäude 1250 verlegt werden. Ab 1984 enthielt dieses Haus die Entwicklung und Forschung.

1190 und 1192 Borregas Avenue
Dieses Gebäude wurde Anfang der 80er gebaut und hat wie die Nummer 1196 in den Säulen das stilisierte Fuji-Logo. Nachdem Atari aus Sunnyvale auszog, wurde das Gebäude geteilt und wird jetzt von zwei Firmen bewohnt. Welche Abteilung sich in diesem Gebäude mal befand, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Zu Tramiels Zeiten wird es entweder Entwicklung oder Herstellung gewesen sein. Zusammenbau und Lager sind unwahrscheinlich, da der ständige Verkehr das nebenan liegende Hauptquartier der Tramiels gestört hätte.

Die Tramiels reduzierten nicht nur drastisch die Zahl der Mitarbeiter, sondern räumten immer mehr die Lager und Entwicklungsräume um die laufenden Kosten klein zu halten. Dann, 1995, wurde fast der gesamte Rest der Computer Division entlassen. Es wurde nur noch für den Jaguar entwickelt. Alle anderen Entwicklungen wurden eingestellt.

Während ich von den ehemaligen Atari Gebäuden Bilder machte fiel mir auf, dass in jedem der ungenutzten Gebäude ein kleines Licht brannte. Es stand kein Pkw davor und es war kein Mensch zu sehen und dennoch brannte Licht. Mal war es im Eingang die Deckenlampe, ein anderes Mal war es innen ein einzelner Deckenfluter. Es war fast so, als hätte jemand eine Kerze in jedem Gebäude aufgestellt um so dem Geist von Atari den Weg nach Hause zu zeigen. Aber vielleicht ist es auch nur ein Trick der Verkäufer, die den Interessenten belebte Häuser vorgaukeln wollen.

Die Jahre 1996 – 1998
Im Frühjahr 1996 zog Atari aus dem Firmengebäude in der Borregas Avenue aus und bezog mit nur noch 120 Mitarbeitern ein leerstehendes Bankgebäude in Sunnyvale. Leider ließ sich nicht in Erfahrung bringen um welches Gebäude es sich damals handelte.

Vermutlich hatte man die Fusion im Frühjahr bereits anvisiert, denn im Juni 1996 fusionierten die JTS Corporation und die Atari Corporation und Atari wurde in JTS integriert.

Jack Tramiel ging in den Ruhestand, die Söhne arbeiteten weiterhin für JTS. Einige geplante Jaguar-Titel wurden noch verkauft. Die technische Unterstützung der Jaguar-Plattform wurde Anfang 1998 eingestellt und Atari räumte nun auch das Bankgebäude in Sunnyvale. Die Atari Rechte wurden für 5 Millionen US Dollar in bar an Hasbro Interactive verkauft und alle Aktiva aufgelöst. (Häuser und andere feste Güter) Somit gab es ab diesem Zeitpunkt kein Gebäude mehr in dem Atari Zuhause war, sondern nur noch den Namen, die Patente und die Spiele.

Heute
Atari war niemals tot, sondern lediglich von 1998 bis 2003 für 5 Jahre im Dornröschenschlaf, bis zum Übergang an Infogrames – Denn das was Atari schon immer ausmachte waren die Spiele, der Ideenreichtum und natürlich auch die Hardware. Sicher ist Atari von heute nicht mehr das Atari von damals. Aber glauben wir denn wirklich, dass das Atari von damals heute noch Bestand hätte? – Atari ist inzwischen viel mehr. Es ist das Atari von heute. Moderner und mit neuen Ideen besinnt es sich auf die Kernkompetenz: Das entwickeln von Spielen und das vermitteln von Lebenslust und Spaß.

Atari ist keine Ära, keine einzelne Person, kein Ort oder Gebäude und man kann Atari auch nicht mit einem bestimmten Spiel beschreiben. Atari ist eine Philosophie. Und sobald wird das erkennen, wird neben dem neuen, auch das alte Atari immer existieren. Sogar dann, wenn der Name Atari mal keine eigene Anschrift hat.

Anmerkung: Diesen Artikel schrieb ich während einer USA Reise in Kalifornien. Er erschien bereits 2008 im RETRO Magazin und dem ABBUC Club Magazin.

 

PS: Hier die Auflösung zur Frage: Was befindet sich im ANTIC Magazin VOL. 2, NO. 9 / Dezember 1983 / Seite 119 für eine interessante Erweiterung für das VCS?

Es ist ein bei Amiga hergestelltes „Joyboard“ bzw. „Power-Stick“, das als Vorläufer zum Balanceboard der Wii zählt. Auf diesem Board konnte man durch Gewichtsverlagerung die Spielfigur steuern. Sozusagen als Alternative zum Joystick.

Amiga Joyboard für das Atari VCS, aus einer Zeit als Amiga noch von Atari bezahlt wurde

Amiga Joyboard für das Atari VCS, aus einer Zeit als Amiga noch von Atari finanziert wurde

2. Juli 2012, 14:50 Uhr

Kommentiere den Artikel oder setze einen Trackback

Bisher keine Kommentare zum Artikel

  1. Bisher keine Kommentare

Kommentiere den Artikel

Sie müssen eingeloggt sein , um eine Tube Senf beisteuern zu können.



Kommentare zu diesem Artikel über RSS 2.0-Feed verfolgen